Blutegeltherapie

Der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) gehört zu den blutsaugenden Ringelwürmern und gilt als höher entwickelter Verwandter des gemeinen Regenwurms.

Das Potenzial der Blutegel und deren heilende Wirkung wird oft unterschätzt. 

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Während eines Bisses saugt der Egel bis zu 50 ml Blut und gibt bioaktive Substanzen, wie: 

  • Hirudin (= Hemmung der Blutgerinnung, lymphstrombeschleunigend, etc.)

  • Calin (= bewirkt die Nachblutung der Wunde, etc.)

  • Egline (= hemmen lysosomale und bakterielle Verdauungsproteasen, die besonders bei entzündlichen und traumatischen Prozessen frei werden, etc.) 

  • und wahrscheinlich bis zu 100 weiteren Wirkstoffen, an den Patienten ab. 

 

Aus Hygiene- und Infektionsschutzgründen werden gezüchtete Blutegel in speziellen Becken aufgezogen und nur einmal an ihrem "Opfer" angesetzt

Bei welchen Indikationen, können Blutegel eingesetzt werden?

Beim Pferd:

  • Hufrehe

  • Arthritis und Arthrose

  • Frische Piephacken oder Stollbeulen

  • Druckstellen (Sattel-, Geschirrdruck)

  • Spat und Schale

  • Narbenbehandlung

  • Fesselträgerentzündung, Fesselgelenksgalle

  • Hufrollenentzündung, Entzündung der Strahlbeinbänder

  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates

 

Beim Hund:

  • Spondylose, Cauda Equina und sonstige Wirbelsäulenerkrankungen

  • Dysplasien (HD und ED)

  • Erkrankungen der Bänder und Sehnen (Kreuzbandriss)

  • Muskelerkrankungen (Muskelverhärtungen)

  • uvm.

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Kontraindikationen:

  • Anämien

  • Tiere mit einem geschwächten Immunsystem (und unter Cortisondauerbehandlung)

  • Geschwächte Tiere

  • Blutgerinnungsstörungen oder die Gabe von Medikamenten, welche die Blutgerinnung hemmen

  • starke Allergieneigung

  • Bekannte allergische Reaktionen auf die Blutegelinhaltsstoffe

  • Schwere innere Erkrankungen (Leber- und Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz…) 

  • Infektionskrankheiten und akute Infektionen

  • Diabetis mellitus

  • Tumore

  • Trächtigkeit

  • 48h vor einer OP

Wie läuft eine Blutegelbehandlung ab?

Blutegel beißen nur an unbehandelter Haut, deswegen sollte 2 Tage vor der Behandlung keine Duftstoffe, Shampoos, Silikonsprays, Fliegenmittel oder Salben, auf die Stelle an der der Blutegel angesetzt werden soll, aufgetragen werden.

Auch Spot on-Präparate, Repellent-Halsbänder, Wurmkuren, Antibiotika- oder Cortisongaben können dazu führen, dass die Egel nicht beißen wollen.

 

Die Vorbereitung dauert ca. 15 Minuten, der Saugvorgang selber dauert in der Regel ca. 30 Minuten bis 2 Stunden, in seltnen Fällen kann es sogar bis zu 3 Stunden dauern.

Je nach Indikation, und Größe des Tieres setze ich zwischen 2 bis 5 Blutegel an. Meist wird der Bereich dafür rasiert und wenn nötig die Stelle mit einer Kanüle angeritzt. 

Der erste Biss des Blutegels wird meist noch als unangenehm empfunden, dieses Gefühl weicht aber nach Einsatz der schmerzlindernden Wirkung. Ein leichter Juckreiz während des Saugens ist möglich. 

Sobald der Blutegel sich vollgesaugt hat, fällt er von selbst ab. Es ist darauf zu achten, dass weder Patient noch Patientenbesitzer vorzeitig den Egel entfernen oder ihn beim Saugen stören (Quetschen, Abschütteln, etc). Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Blutegel in die Wunde erbrechen, was zu Infektionen der Wunde führen kann.

Durch die herabgesetzte Blutgerinnung blutet die Bissstelle noch bis zu 24 Stunden nach.

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Die ersten 1 – 2 Tage nach der Egelsitzung sollten Sie ruhig angehen, dass heißt, ruhiger Koppelgang für Ihr Pferd.

Wasser sollte immer ausreichend zur Verfügung gestellt werden!

Sollte Juckreiz auftreten, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Tier die Wunde nicht beleckt oder daran kratzt, denn sonst kann es zu einer Entzündungsreaktion im Wundbereich kommen

.

Je nach Indikation, kann eine Wiederholung der Therapie nach 1-2 Wochen und nach weiteren 4-6 Wochen sinnvoll sein. Bei chronischen Fällen auch alle 3-4 Monate.

 

Für den therapeutischen Einsatz nutze ich medizinische Blutegel aus der Blutegelapotheke Biebertal, welche die strenge Anforderungen gemäß § 13 Arzneimittelgesetz erfüllen. Da es sich bei Blutegeln um humanmedizinische Arzneimittel handelt, ist die Nutzung an Lebensmittel liefernden Tieren verboten.

Mögliche Nebenwirkungen der Blutegeltherapie

  • Rötung/Verfärbung der Bissränder bis zu circa 14 Tagen

  • Schwellungen, auch verbunden mit lokalem Spannungsgefühl (übergeleitet von menschlicher Reaktion)

  • Juckreiz für ca. 2-3 Tage

  • Hämatome um die Bißstellen

  • Lymphknotenschwellungen

  • Mögliche Narbenbildung

  • Stärkere Nachblutungen

  • Entzündungen, häufig begleitet mit Juckreiz

  • Lokal begrenzte allergische Symptome

 

Gelegentliche, sehr selten auftretende Nebenwirkungen:

  • Übermäßige oder verlängerte Nachblutung, beziehungsweise transfusionsbedürftiger Blutverlust

  • Wundheilungsstörungen, Wundinfektionen

  • Allergische Reaktionen

  • Starker Blutdruckabfall

  • Starke lokale Entzündungen

  • Entzündungen der Lymphbahnen

  • Arthropodenreaktion (pseudolymphomatoide entzündliche Gewebsreaktion mit follikulärer Hyperplasie und Gewebseosinophilie = rote, juckende Beulchen, sehr selten)

  • Systemische Infektionen mit Sepsis